Entwicklung auf den Agrarmärkten
Um die Preisentwicklungen auf den jeweiligen Agrarmärkten abschätzen zu können, kommt es nunmehr vornehmlich darauf an, die internationale Angebots- und Nachfragesituation möglichst gut voraussagen zu können. Dies ist allerdings prognosesicher kaum seriös leistbar. Dennoch ist es als landwirtschaftlicher Unternehmer dienlich zu wissen, wie sich die für die kurzfristige Preisbildung verantwortlichen Faktoren darstellen und entwickeln. Dazu gehören beispielsweise die nationalen und internationalen Erntemengen, Erträge, bestehende Vorräte, Frachtkosten, Wechselkurse und das Ein- und Verkaufsverhalten der Marktteilnehmer.
Beispielhaft können wir rückwirkend feststellen, dass die Ernte 2007 auf internationaler Ebene betrachtet knapp ausfiel und in Kombination mit der geringen Vorratshaltung zu deutlichen Preisanstiegen führte. Die durch die gute Preissituation ausgelösten deutlichen Produktionsanreize führten im Folgejahr zu einer gegenläufigen Entwicklung: Die bereits ab Mai 2008 erwartete und durch klimatisch günstige Bedingungen verstärkte Rekordernte führte bekanntermaßen zu dem Preisverfall, der von vielen nicht mehr für möglich gehalten wurde. Insofern haben die hohen Preise der Ernte 2007 sicherlich einen nicht unerheblichen Beitrag zum Preisverfall in 2008 geleistet. Selbiges dürfte grundsätzlich auch umgekehrt gelten: In Analogie zu dem viel zitierten Schweinezyklus wird das derzeitig niedrige Preisniveau mit großer Wahrscheinlichkeit über Produktionsrückgänge die Voraussetzung für steigende Preise schaffen. Ob dies bereits in der Ernte 2009 zu beobachten sein wird, sei dahingestellt.
Die starken Preisausschläge verdeutlichen gleichsam, dass bereits geringe Mengenänderungen der erwarteten und tatsächlichen Ernten erhebliche Preisausschläge zur Folge haben. Betrachtet man die langfristig relevanten preisbildenden Faktoren, so lässt sich ableiten, dass sich diese Entwicklung künftig eher verstärken, als abschwächen wird. So beobachten wir in vielen wissenschaftlichen Untersuchungen und Markterhebungen einen stetig steigenden Verbrauch an Getreide (vgl. Abbildung 1).
Dieser ist wesentlich auf den kontinuierlich steigenden Bedarf an Nahrungs- und Futtermitteln sowie Energierohstoffen zurückzuführen. Stetig steigende Bevölkerungszahlen und die wachsende Nachfrage nach verarbeiteten Nahrungsmitteln sind hierfür wiederum als maßgebliche Faktoren zu nennen.

Abbildung 1: Globale Produktion und Verbrauch von Weizen
(Abbildung zum Vergrößern bitte anklicken)
Als Fazit lässt sich festhalten, dass die langfristigen Rahmenfaktoren, die mehrheitlich eine Verknappung der Agrargüter aufzeigen, steigende Preisniveaus bei deutlich steigenden Preisschwankungen zur Folge haben werden. Für die Unternehmer ergeben sich hieraus neben den sicherlich zu beachtenden steigenden Risiken, auch erhebliche Chancen und Wachstumspotentiale.
Dr. Carsten Becker, Leiter Geschäftsentwicklung & Vertrieb/ Rohstoffe, Risk Management Exchange AG


